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Musikfachhandel und Klavierbau trafen sich in Braunschweig zum 2. Branchentreff
Braunschweig stand für zwei Tage im Fokus des deutschen Musikfachhandels und des Klavierbaus: Vom 12. bis 14. Mai trafen sich über 170 Musikfachhändler, Klavierbauer, Instrumentenhersteller und andere Repräsentanten der Musikwirtschaft in Braunschweig, um über aktuelle Probleme der Branche zu diskutieren. Höhepunkt war am 14. Mai der Festakt "300 Jahre Klavierbau in Braunschweig". Gemeint waren die zwei Geburtstage der renommierten Braunschweiger Klavierhersteller: 175 Jahre Grotrian-Steinweg und 125 Jahre Schimmel.
Der Geschäftsführer der Musikverbände, Dr. Heinz Stroh, bezeichnete die deutschen Klavierbauer, aber auch den deutschen Musikfachhandel als führend auf dem Weltmarkt, weil das hohe Niveau der deutschen Handwerkskunst in kaum einem anderen Land erreicht werde. Die deutschen Musik fachhändler präsentierten den aktiv Musizierenden eine große Vielfalt an Instrumenten und Noten, wie sie es sonst rund um den Erdball kaum gebe.
Der Gesamtmarkt für Musikinstrumente und Zubehör betrug in Deutschland im Jahr 2009 auf der Basis der Händlerverkaufspreise ca. 1 Mrd. Euro. Blasinstrumente, insbesondere Holzblasinstrumente, haben auch 2009 beim Verkauf gut abgeschnitten, ebenso wie das gesamte akustische Instrumentarium, hier vor allem die Gitarre. Nach wie vor ein Wachstumsmarkt ist auf Stückzahlbasis der Verkauf von D-Pianos, während der Absatz von Keyboards weiter rückläufig ist, ein Trend, der bereits seit einigen Jahren feststellbar ist. Bei den übrigen Warengruppen gab es kaum Veränderungen zum Vorjahr.
Arthur Knopp, Präsident des Gesamtverbandes Deutscher Musikfachgeschäfte (GDM): „Aufgrund der positiven Ausgangssituation schauen die deutschen Musikfachhändler mit Optimismus auf das Jahr 2010. Ein Hauptgrund hierfür ist, dass die Stimmung der Konsumenten während der Wirtschaftskrise außergewöhnlich krisenresistent geblieben ist. Dazu zeichnet sich ein deutlicher Trend zum Musizieren ab – ob zu Hause, im Freundeskreis oder beispielsweise beim Klassenmusizieren, das vermehrt in deutschen Schulen angeboten wird. Hier tragen die Arbeit der Fachhändler und der Verbände im Bemühen um eine Förderung des aktiven Musizierens endlich Früchte.“
Es sei deshalb sehr wahrscheinlich, dass der Einzelhandel auch im Jahr 2010 keinen Rückschlag erleben werde. Er werde seinen Vorjahresumsatz voraussichtlich halten können. Knopp: „Wenn sich auch die Stimmung in der deutschen Wirtschaft zu Beginn des Jahres 2010 überraschend wieder eingetrübt hat, was auch mit dem strengen Winter zusammenhing, sieht gerade die Musikbranche eine positive Entwicklung. Die Tendenz der Verbraucher, verstärkt Aktivitäten im Haus durchzuführen und eine veränderte Werteorientierung hin zu mehr Qualität als Quantität, könnte gerade auch Produkten aus deutscher Fertigung nutzen.“
So rechnen die deutschen Musikinstrumentenhersteller weiterhin mit stabilen Umsätzen im Inland, auch wenn wegen des nach wie vor schwierigen Umfeldes eine seriöse Prognose für 2010 kaum möglich ist. Im EU-Umfeld sei zu hoffen, dass angesichts des scharfen Einbruchs im vergangenen Jahr die Talsohle erreicht ist. Außerhalb der EU könnte der zuletzt schwache Euro der Branche helfen. Insgesamt werde erwartet, dass sich der Absatz deutscher Musikinstrumente um das Vorjahresniveau bewegen wird. „Aufschwunghoffnungen müssen weiter verschoben werden“, so Knopp.
Interessante konträre Positionen gab es bei einer Diskussion mit dem Musik-Manager, und Juror der TV-Casting-Shows „Deutschland sucht den Superstar“ und "Popstars“, Thomas M. Stein, und dem Generalsekretär des Deutschen Musikrates, Christian Höppner. Inwieweit nutzen TV-Talenshows und Konsolenspiele der Branche und erschließen sogar neue Zielgruppen? Ist das positiv für das aktive Musizieren? Darüber diskutierten die beiden Medienvertreter angeregt mit den Teilnehmern des Branchentreffs.
Erfreulich waren auch die von Seiten der Instrumentenvertriebe verkündete Einigung auf eine gemeinsame Datenschnittstelle. Bereits im letzten Jahr hatte der GDM auf dem Branchentreff in Wallerfangen von den Industrievertretern eine Einigung gefordert. Nur so sei es dem mittelständischen Fachhandel möglich, sich nach aussen auch im Internet zu präsentieren. Nicht zuletzt erforderten auch moderne Warenwirtschaftssysteme und EU-Vorgaben (Stichwort EDIFACT) eine einheitliche digitale Aufschlüsselung der Produktdaten. Unter dem Namen "My MG" präsentierte nun in Braunschweig Reinhard Estor von der Firma Musik Meyer stellvertretend für die Firmen GEWA, Roland Meinl und Yamaha, den Mitgliedern des GDM die einheitliche Datenschnittstelle.



